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Mitreißende akustische Landschaftsmalerei: „Die Moldau“

April 4, 2025

Passend zum 150. Jahrestag der Uraufführung in Prag konnte ich mir an ihrem Ufer streckenweise ein Bild davon machen, was bisher nur den Ohren vorbehalten war. Jeder kennt das Stück, jeder kann es mitsummen, und in meinen zwanziger Jahren in der Studentenbude gehörte die mitreißende Musik fast zur täglichen Routine: „Die Moldau“.

   

Bedrich Smetana schuf mit dieser knapp viertelstündigen Flusswanderung ein einzigartiges und weltberühmtes musikalisches Landschaftsbild. Die beiden Quellen, entsprungen im Böhmerwald, sprudelnd und flötentrillernd, bedeuten uns lebendigen Ursprung. Dann mäandriert das Wasser durch Sümpfe, Moore, Feuchtwiesen und weite, ursprüngliche Lebensräume mit einer reichen Flora und Fauna. Ohren und Seele dürfen mit. Die Natur wird zur Musik! Sie bewegt alle und alles! Hörner und Trompeten künden von der Jagd, bei böhmischer Folklore und munterer Polka feiern wir ausgelassen Hochzeit. Ruhen dann aus und gleiten ruhig gurgelnd durch Dörfer und Städte, vorbei an prächtigen Burgen und Schlössern. Doch die „Vltava“ kann auch anders: Reißend, wild und ungezähmt verlangen die Stomschnellen dem Orchester alles ab, es schäumt und erhebt sich zum tosenden Strudel. Bald ist die Hauptstadt in Sicht, Prag, wo das Wasser stadtbildprägend die trutzige Karlsbrücke unterquert. Linkerhand der Hradschin, die größte Burganlage der Welt.

   

Nach der großen Schleife gen Osten trägt uns die Melodie weiter Richtung Norden zum Unterlauf, wo die Moldau bei Melnik nach 430 Kilometer sich und ihren Namen in der Elbe verliert. Mit ihr wird sie später stumm ausklingend zum Meer getragen. Smetana hat dieses sinfonische Gedicht verfasst, als er längst vollständig taub war, was einfach unglaublich ist! Er hatte wohl den Fluss seiner Heimat tief verinnerlicht. Und zum Glück für uns die Natur in mitreißender Musik festgehalten. Ein grandioses, unsterbliches Bild!